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Magazin: Business Punk
Erscheinungsjahr: 2024
Fotos: lsd-legal, Hilmar Poganatz

aus dem inhalt

Irrer Trip

Neulich war ich LSD shoppen. Ganz unglamourös,
in einem grauen Ein-Raum-Laden
in Berlin-Friedrichshain. „Cash only!“,
mahnt ein rotes Schildchen auf der Theke. Vor
mir ordert ein Hippie mit ergrauten Rastas ein
wenig Stoff. „Kann man ja noch verschneiden“,
brabbelt er. Dann bin ich dran.

Lysergsäurediethylamid (LSD) gilt in
Deutschland als „nicht verkehrsfähiger
Stoff“, also als illegale Droge. 1943 hatte
der Schweizer Chemiker Albert Hofmann
den Stoff erstmals getestet, den er aus dem
Mutterkorn synthetisiert hatte – einem Pilz,
der nicht nur eine alte Volksmedizin ist,
sondern auch ein Gift, das Atemnot auslöst,
Krämpfe, Kreislaufversagen, absterbende
Gliedmaßen und eben auch Halluzinationen.
Nach der Einnahme von 250 Mikrogramm
(mcg) plagten Hofmann auf seinem legendären
Fahrradtrip fiese Albträume und die
unbändige Angst, verrückt zu werden, bevor
„kaleidoskopartig sich verändernd bunte,
fantastische Gebilde“ auf ihn eindrangen.

Brainwash und Wahrheitsserum
Trotzdem stehe ich 2024 an der Ladentheke
des LSD-legal-Shops in der Boxhagener
Straße. „Ich hätt’ gern ’n bisschen LSD,
kenn mich aber null aus damit“, stammele
ich. Die junge, durchgepiercte Verkäuferin
hat zehn arztgrüne Micro-Pellets je zehn
Mikrogramm für 20 Euro im Angebot. „Aber
wenn du am liebsten im normalen Bereich
forschen möchtest, nimm lieber die 150er
Full-Blotter“, rät sie und hält mir eine
fingernagelgroße Löschpappe in einem
unbeschrifteten Tütchen hin. „Ja, klar,
die würde ich dann mal nehmen.“ Kostet
29 Euro. Ich muss mir erst mal ein paar
Notizen machen. Zwischendurch kauft
ein junger, routinierter Kunde schnell
zwei hochdosierte Extra-Pillen. Morgen
würde ich in den Urlaub fliege und könne
mir meine „Forschung“ gut am Strand
vorstellen, lüge ich mir einen zurecht.
„Tolle Idee“, findet sie. Das LSD könne
ich ja in einem Buch transportieren. Ich
schaue auf die weiße Pappe, auf der „1DLSD“
steht. „Du meinst, weil die auf den
Philippinen ja für ihre lockere Haltung
zu Drogen bekannt sind?“, scherze ich.
Den versteht sie nicht, aber sie findet’s
„voll süß“, dass ich mir alles aufschreibe
und empfiehlt mir, mich noch mal im
Internet zu informieren. „Wir dürfen hier
ja nicht zum Konsum beraten, weil wir
nur Forschungschemikalien verkaufen,
alles legal mit Steuern und Kassenbon.“
Den drückt sie mir in die Hand und
wünscht mir einen schönen Trip. War ja
einfach …

Glitch in der Gesetzesmatrix
Und schon bin ich mittendrin in der
psychedelischen Renaissance. Seit einigen
Jahren wird mit Mitteln wie LSD,
Psilocybin, Ketamin oder MDMA (…)

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